Shania Graf: „Schlechtes Licht gibt es nicht.“
Fotografie ist für mich die konsequente Form der Aufmerksamkeit und der bewusste Akt des Sehens. Mein Leitsatz ist dabei mehr als eine Haltung – es ist mein gestalterisches Prinzip: Ich suche nicht nach den perfekten Bedingungen, sondern interpretiere das vorhandene Licht so lange, bis es die Essenz des Motivs preis gibt. Anstatt Lichtverhältnisse zu bewerten, gestalte ich den Dialog mit meiner Umgebung. In unserer gemeinsamen Arbeit bedeutet das für mich die ständige Suche nach neuen Nuancen und eine handwerkliche Herangehensweise, die aus jedem Moment das visuelle Maximum herausholt. So entstehen Bilder, die auf einer tiefen, ehrlichen Beobachtung basieren und das Licht in seiner jeweils eigenen, unnachahmlichen Form einfangen.
Jürgen Hauer: Von der fotografischen Steinzeit bis heute
Mein Weg zur eigenen Bildsprache begann vor 46 Jahren. Er führte über tausende Fotos und zahllose Stunden in der Dunkelkammer – mit Abwedeln und Nachbelichten zur Kontraststeuerung am analogen Material. Nach unzähligen Experimenten mit Chemikalien kam die Geburtsstunde der digitalen Fotografie. Damals war sie für den professionellen beruflichen Einsatz noch völlig unbrauchbar. Während meine Mamiya im Mittelformat bereits einen Dynamikumfang von 15 Blendenstufen (EV) lieferte, wirkten digitale Kameras wie Spielzeug. Das änderte sich erst mit der Nikon D850 und D500 sowie meinem digitalen Labor, Capture One. Plötzlich explodierten die Möglichkeiten der Entwicklung von Fotos – weit über das hinaus, was in der Dunkelkammer jemals machbar gewesen wäre.
Meine Bildsprache
Die beste Kamera der Welt hilft nicht, wenn man nicht lernt, „Licht zu denken“. Wenn ich durch den Sucher blicke, suche ich kein Motiv; ich beobachte, wo Licht reflektiert wird. Genau dort liegt mein Motiv. Das gilt für mich für jedes Genre in der Fotografie. In einer Welt ohne Materie bliebe Licht unsichtbar; erst an der Oberfläche eines Objekts wird Energie zur Form.
In meinen Arbeiten nutze ich hierfür klassisches Dodge and Burn. So entsteht neben starken Hell-Dunkel-Kontrasten ein Spannungsfeld aus Reduktion und Akzent. Wenn mir das gut gelingt, habe ich Freude an meiner Arbeit.





