„Statement zu Nutzung von KI Anwendungen”

„Statement zu Nutzung von KI Anwendungen”

„Statement zu Nutzung von KI Anwendungen”

Es gibt für mich eine rote Linie in der zeitgenössischen Fotografie, und diese Linie verläuft exakt an der Schnittstelle zwischen der Erzeugung von Daten und der Entwicklung des Bildes. In der Bildentwicklung – von der Rohdaten-Validierung über die Tonwertarchitektur bis hin zur finalen Ausarbeitung im Rahmen der Hauer-Adams-Skala – wird KI bei mir niemals zum Einsatz kommen. Niemals. Never ever. Wer Algorithmen oder generative Systeme auf ein fotografisches Signal loslässt, um Pixel zu erfinden, zu glätten oder zu „kombinieren“, kapituliert vor der physikalischen Realität des Lichts. Fotografie ist das dokumentierte Zusammentreffen von Licht und Materie, verankert in einer mathematisch validierbaren Realität in bruchteilen von Sekunden. Eine KI-generierte oder KI-manipulierte Bildentwicklung ist keine Fotografie mehr; sie ist eine Illustration, ein algorithmisches Ergebnis, ein Compositing.
Doch die kompromisslose Ablehnung von KI im Bildprozess darf nicht mit technologischer Ignoranz verwechselt werden. Es wäre fatal und kurzsichtig, sich der Künstlichen Intelligenz in der heutigen Zeit gänzlich zu verschließen. Genau deshalb existieren meine Projekte wie O-TON oder die experimentellen Drehbücher: Nicht, um die Fotografie zu automatisieren, sondern um die Werkzeuge dort zu nutzen, wo sie dem kreativen Prozess dienlich sind – in der Strukturierung von Texten, im Aufbau von Drehbüchern, in der redaktionellen Organisation oder in der algorithmischen Analyse von Datenstrukturen. Die Werkzeuge ändern sich, aber die Urheberschaft bleibt unverschiebbar. Die Phantasie, das Sehen, die Haltung und die Regie bleiben beim Menschen. Die Maschine baut keine Bilder – sie hilft uns lediglich, die Gedanken zu ordnen, die diesen Bildern vorausgehen. (JH Jürgen Hauer)